Spiegelzeltblog 2013

31. Mai 2013


INTIMITÄT IM REGEN


Er ist einer von den Stillen, und auch dafür hat das Spiegelzelt seinen Platz. In diesem Areal ist Gianmaria Testa kein Unbekannter, er hat schon zweimal hier gastiert. Er beginnt solistisch mit akustischer Gitarre, und sofort nimmt er mit seinem Spiel und samtweicher, rauchiger Stimme die Zuhörer für sich ein. Sein Timbre erinnert ein wenig an Cat Stevens oder Kieran Goss. Das Konzert speist sich vor allem von der titelgebenden CD „Vitamia“, eine Reihe von überwiegend ruhigen Balladen, die ab und zu von Blues- und Latinopassagen ergänzt werden. 

Ihm zur Seite steht der brillante Klarinettist Gabriele Mirabassi, der mit leisem bis expressivem Ton Testas als kongenialer Begleiter wirkt. 

Testa singt von dem unerotischen Auto Fiat 500, swingt dabei mit der E-Gitarre aufs Feinste, während Mirabassi Carmen-Zitate beisteuert. 

Ein Journalist hat ihn mal gefragt, warum er so viele Liebeslieder schreibt. Ihm ist er die Antwort schuldig geblieben, aber vor Publikum verrät er den Grund: sein Verlieben ist die Verbindung zum Unendlichen. Das ist pure Poesie, wie das tritonisch aufgebaute Liebeslied für Stella welches die schönste Komposition des Abends wird. Wunderschön besinnlich auch seine englische Version des Dietrich-Klassikers "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt".  Ansonsten lassen sich die Musiker viel Raum für Improvisation, alles meisterhaft stringent und unaufgeregt. 

Testa singt aber auch politisch und prangert die Einwanderungspolitik seines Heimatlandes Italien an. Er beschreibt die skandalösen Zustände vor den Küsten Italiens, wo pro Woche ein Schiff mit nordafrikanischen Flüchtlingen untergeht. Das geht tief rein und beweist dramaturgische Intelligenz. Immer unterstützt von den zauberhaften Lichtstimmungen Jens Voigtländers erzählt er abschließend die märchenhafte Geschichte über einen sturen Polizisten auf dem Turiner Markt und die List eines Blumenhändlers. Da singt das Publikum begeistert den vokalen Refrain mit, und fordert folgerichtig die Zugabe. Testa erfüllt mit zwei seiner Hits bei denen Mirabassi teilweise perkussiv arbeitet und der prasselnde Regen, wie schon den ganzen Abend seinen Soundtrack liefert. Zauberhaft!


FAZIT

Ein großer Romantiker und Sänger.


SPLITTER

Besucherin Anna Möller ist an der Jenaer Uni im Bereich Indogermanistik angestellt. Gianmaria Testa engagierte die junge Frau spontan für den Konzertabend als Dolmetscherin, und sie erfüllte diese Aufgabe mit Bravour. 


Am Krrrtikrrrtsch saßen an diesem Abend zwei Besucher aus Bonn. Sie äußerten sich begeistert über das hochrangige Programmangebot, und waren traurig darüber, dass sie Malmsheimer wegen Abreise nicht mehr erleben können. Denn der wortgewaltige Erzähler ist in der Bonner "Springmaus" immer sofort ausverkauft.

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